17. Januar 2008, 20:00, Querfeld Basel

Bei Schenkung zweier Flügel

Szenisches Konzert

Aufführungen
Querfeld Basel , 17. Januar 2008, 20:00
Querfeld Basel , 18. Januar 2008, 20:00
Querfeld Basel , 19. Januar 2008, 20:00

Musikalische Leitung Olivia Heiniger
Inszenierung Serge Honegger
Chor Larynx
Orchester Larynx
Solisten Jakob Pilgram (Tenor), Marian Krejcik (Bariton), Philippe Meyer (Bass)

Schauspiel Annik Freuler, Bettina Inauen, Olivia Kaufmann, Lilian Künzler, Claudio Mascolo, Reto B. Müller

Programm
Textmaterial aus: Jean Paul: «Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch» (Erzählung im 2. Anhangsbändchen zu Titan), 1801.
Erster Teil: Giuseppe Verdi: «Ave Maria» (Quattro Pezzi Sacri, Nr. 1, für Chor a cappella)
Zweiter Teil: Kurt Weill/Bertold Brecht: «Der Lindberghflug»/«Der Ozeanflug» (für Soli, Chor und Orchester)
Dritter Teil: Eric Whitacre: «Cloudburst» (für Chor, Donnerblech, Pauke u. a.)
Vierter Teil: Giuseppe Verdi: «Laudi alla Vergine Maria» (Quattro Pezzi Sacri, Nr. 3, für Frauenchor a cappella

Zur Inszenierung «Bei Schenkung zweier Flügel» – Programmheftbeitrag
Im Lindberghflug spiegelt sich sowohl die grosse Begeisterung für die moderne Technik, als auch die Angst vor dem Scheitern des Menschen in einer durchindustrialisierten Welt. Die Figur Lindbergh wird bei Weill/Brecht als Mut machendes Exempel dargestellt. Seine gefährliche Unternehmung wird anlässlich der glücklichen Landung in Paris von Erfolg gekrönt. Der Flieger gewinnt sein Durchsetzungsvermögen und seinen Glauben aus der gesellschaftlichen Utopie des neuen Menschen in einer von Gerechtigkeit und Gleichheit geprägten Welt kommunistischer Farbe.

Für die Realisierung des zukünftigen goldenen Zeitalters ist jeder Mensch notwendig. Die neuen Helden sind nicht Könige oder Krieger, sondern einfache Menschen, die grosse Taten in ihrem Wirkungskreis vollbringen. Gleichwohl lässt Brecht die Gefahr des Scheiterns und die Fragilität der Utopie am Ende des Stücks sehr deutlich zum Ausdruck kommen. Dieser Zwiespalt zwischen Hoffnung und Lähmung soll über die auf dem schmalen lande- und startbahnähnlichen Bühnensteg stattfindenden Auftritte und Aktionen versinnbildlicht werden.

Hat das Flugzeugpersonal eine Ahnung von den 10 000 Metern, die sie von der Erdoberfläche trennen? Stellen der Himmel, ferne Planeten und andere Galaxien brauchbare Fluchtpunkte dar, oder sind sie nur ins Nichts führende Himmelsleitern? Ist der Auftritt einer Musikerin oder eines Musikers der Beginn eines Abfluges oder Absturzes? Was bleibt nach der letzten Landung? – Ein Requiem, ein Verstummen oder die das Ewig-Weibliche besingenden Stimmen?

Das Fliegen und der Mensch in der Luft werden ganz zu künstlerischen Chiffren in Jean Pauls Erzählung «Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch». Giannozzo, Kapitän eines Zeppelins, blickt von oben auf die Welt, betrachtet das Auf- und Niedergehen der Sonne, sieht fürchterliche Kriegsszenarien neben den erhabenen Schweizer Alpen sowie verängstigte Menschen, die zu Gott singen, aufziehende Gewitter, Ameisenkongresse und freut sich darüber, «wie man oben in der stillen heiligen Region nichts merkt, was drunten quäkt und schwillt.»

 

Link
www.larynx-basel.ch