20. August 2011, 12:00, Theaterspektakel Zürich

REQUIEMreloaded

Eine performative Klanginstallation im öffentlichen Raum zum Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart

Aufführungen
Kunsthaus Glarus, SBB Güterschuppen, Glarus
Samstag, 13. August 2011 (Zeiten: 13-14.30 / 16-17.30)
Bourbaki, Löwenplatz, Luzern
Samstag, 20. August 2011 (Zeiten: 10-11.30 / 13.30-15.00 / 16-17.30)
Theaterspektakel, Landiwiese, Zürich
Sonntag, 21. August 2011 (Zeiten: 12-13.30 / 15-16.30 / 18-19.30)
Münsterplatz, Bern
Samstag, 27. August 2011 (Zeiten: 13-14.30 / 14.30-16 / 16-17.30)
Jugendkulturfestival, unternehmen mitte, Basel
Samstag, 3. September 2011 (Zeiten: 13-14.30 / 16-17.30 / 19-20.30)
Festival La Bâtie, Maison Communale de Plainpalais
Sonntag, 4. September (Zeiten: 11-12.30 / 13.30-15.00 / 19-20.30)
Zermatt Festival, Kirchplatz, Zermatt
Samstag, 17. September 2011 (Zeiten: 12-13.30 / 15-16.30 / 18-19.30)

Musikalische Leitung Beat Vögele
Inszenierung Serge Honegger
Audiodesign Tomek Kolczynski
Produktionsleitung Christoph Schön
Produktionsassistenz Nora Wyss

Sängerinnen und Sänger hark!

Zur Performance
REQUIEMreloaded ist eine performative Klanginstallation, die auf Mozarts «Requiem» aufbaut und dieses mit moderner elektronischer Musik, dem alltäglichen Lärm der Strasse und zeitgenössischer Chormusik zu einem neuen Klangerlebnis verwebt. Das Chorensemble hark! und der Basler Audiodesigner Tomek Kolczynski gestalteten als Ausführende die Produktion, die zwischen dem 13. August 2011 und dem 17. September 2011 in sieben Schweizer Städten im öffentlichen Raum aufgeführt wurde. Als Aufführungsort wurde jeweils ein zentraler, öffentlicher und belebter Platz gewählt. Zufälliges Laufpublikum und interessierte Zuhörer konnten dadurch gleichermassen angesprochen werden. Die orts- und situationsspezifischen Begebenheiten wurden zu einem integralen Bestandteil der Klanginstallation.

Musikalische Elemente
Ausgewählte Teile aus Mozarts Requiem (Confutatis, Lacrimosa, Tuba mirum, Rex tremendae, Introitus, Kyrie) bildeten das Fundament von REQUIEMreloaded.  Der musikalische Leiter Beat Vögele entscheid sich bei der Auswahl der Motive für alle original von Wolfgang Amadeus Mozart gesetzten Stimmen. Vielfach waren das nur eine Melodie- und/oder eine Basslinie. Sämtliche spätere Ergänzungen wurden nicht berücksichtigt. Die Chorsequenzen wurden auf verschiedene Weise wiederholt und entweder mit vorproduzierten resp. live vor Ort via Sampling produzierten Bausteinen von Tomek Kolczynski unterlegt oder während der Performance mit live eingefangenen Lauten und Geräuschen der ChoristInnen moduliert. Zwei portable Mikrofone lieferten dem Audiodesigner die Klanginformation, die damit kabellos in den Laptop eingespeist und direkt in die Klanginstallation eingeflochten werden konnte. Auch Umgebungsgeräusche wurden aufgenommen und mittels Übertragung, Speicherung und Reproduktion in die Klanginstallation integriert. Über die Lautsprecher ergab sich durch dieses Verfahren beispielsweise bei «Rex tremendae» ein vielstimmiges Sprach- und Lautgewebe, das sich mit den live gesprochenen und gesungenen Sequenzen verband. Ganz anders im «Lacrimosa». Dieser Teil war von einem deutlichen Puls unterlegt, über den der Chor und Tomek Kolczynski improvisierend modulierten.

Szenische Elemente
Die Regie oder eine wie auch geartete Inszenierung sollten für diese performative Klanginstallation möglichst unsichtbar und unauffällig bleiben. Die Bewegungsabläufe wurden ganz aus dem musikalischen Material entwickelt. Der Chor bot kein Schauspiel dar, sondern hatte möglichst authentisch zu wirken. Aus diesem Grund traten die Sängerinnen und Sänger auch in privater Kleidung auf, um sich nicht vom Publikum auf den öffentlichen Plätzen optisch zu unterscheiden. In den Proben wurden einfache Bewegungsmuster und Formationen entwickelt, die das Klangbild unterstützten und den Zuschauerinnen und Zuschauern ermöglichten, die Geräusche und Klänge unterschiedlich wahrzunehmen.

Aufführungspraxis
REQUIEMreloaded wurde an jedem Aufführungstag dreimal produziert. Die einzelnen Interventionen dauerten ca. 60 Minuten. Tomek Kolczynski gestaltete mit elektronischen Klängen und Stimmimprovisationen die Introduktion zur Performance. Darauf nahmen die einzeln auftretenden Sängerinnen und Sänger langsam den jeweiligen Aufführungsort in Besitz. Sie schlenderten wie zufällige Passanten aus verschiedenen Richtungen herbei. Wie im Selbstgespräch begannen sie plötzlich zu flüstern. Tomek Kolczynski liess am Mischpult die ersten Takte des «Introitus» in einer elektronischen Marimbaversion erklingen. Der Chor wurde zum ersten Mal als Gruppe nach ca. 10 Minuten wahrnehmbar, als die ca. 35 SängerInnen auf den Audiodesigner zuströmten, sich um ihn gruppierten und die Kyrie-Fuge, unterlegt mit einem Technobeat, anstimmten. Tomek Kolczynski übernahm die Stimmen der ChorsängerInnen, sampelte sie und projizierte sie über die sternförmig ausgerichteten Lautsprecher zum Publikum zurück. Die Fuge steigerte sich zu einem immer dichteren Klangteppich. Am dichtesten Moment fror Kolczynski den gesungenen Akkord ein und liess ihn im Raum stehen, quasi als klangliche Fotografie. Der Chor löste sich wieder auf, um sich neu zu gruppieren – dieses Mal standen sich Männer und Frauen in zwei Reihen gegenüber. Es folgte das «Tuba mirum». Erneut fing Tomek Kolczynski die einzelnen Stimmen ein und verwob sie mit dem Chorgesang. Der Gesang steigerte sich langsam und kulminierte in einem beinahe hysterischen Lärm, bestehend aus den elektronisch eingespeisten Stimmen und den Stimmen der SängerInnen. Es folgte das «Rex remendae». Der Audiodesigner Kolczynski liess über Mozarts Basslinien Worte wie «Rex» oder «Salva me» erklingen, und diese wurden sofort echoartig von den Sängern aufgenommen und kommentiert.  Über zwei Funkmikrophone wurden die Stimmen aufgefangen, an den Laptop des Audiosdesigners geschickt und von dort, elektronisch bearbeitet, wieder in den Raum zurück gesendet.  Eine ganz eigene Orientierungslosigkeit stellte sich für den Zuhörer ein, denn die Klänge liessen sich bisweilen fast nicht mehr zuordnen, ob sie akustisch oder elektronisch erzeugt worden waren. Es entstanden bizarre, aber fantastische Klangeffekte, welche sich je nach Sitz- oder Stehposition des Zuhörers intensiver mit dem Soundscape der Umgebung vermischten oder sich davon abhoben. Gegen Ende der Performance entfernten sich die Sängerinnen und Sänger fast unbemerkt. Während die letzten gesungenen und gepfiffenen Motiven aus dem «Lacrimosa» langsam verklangen, mischte sich Kolczynski unter das Publikum, so dass ausser der verbleibenden elektronischen Klänge niemand von den Ausführenden auf der Fläche übrigblieb. Der Nachhall dauerte noch mehrere Minuten, bis er sich vollständig in der Klangumgebung auflöste.

 

Links
www.hark.ch