12. Juni 2010, 20:30, Predigerkirche

Robert Schumann in der Heilanstalt

Sieben Bilder mit Geistervariationen, Vocalisen und einer Witwe

Aufführung
Predigerkirche Zürich, 12. Juni 2010, 20:30
Predigerkirche Zürich, 13. Juni 2010, 20:30
Predigerkirche Zürich, 16. Juni 2010, 20:30
Predigerkirche Zürich, 18. Juni 2010, 20:30
Predigerkirche Zürich, 19. Juni 2010, 20:30

Musikalische Leitung Kristjan Döhring
Inszenierung Serge Honegger
Kostüme Carola Ruckdeschel

Clara Schumann Markus Merz
Sopran/Flöte Annika Langenbach
Mezzo/Alt Susanne Langner
Tenor Walter Raschle
Bariton/Bass Martin Ulrich
Ärztin/Patientin Lisbeth Rüegg
Arzt/Patient Claudio Mascolo
Klavier/Orgel Kristjan Döhring

Programm
Werke von Carl Philipp Emanuel Bach, Christian Döhring, Mauricio Kagel, Franz Lehár, Gustav Mahler, Olivier Messiaen, Othmar Schoeck, Robert Schumann, Viktor Ullmann und Richard Wagner. Textmaterial aus den 2006 erschienenen Krankenakten (11. Band der Reihe «Schumann Forschungen»).

Programmheftbeitrag zur Inszenierung
Kurz nachdem sich Robert Schumann 1854 in die Heilanstalt Endenich bei Bonn einliefern liess, fing die Öffentlichkeit an, über das Befinden des Komponisten und die Gründe seines Zustandes zu debattieren. Bis heute sind die Diskussionen und Mutmassungen nicht abgerissen, was das künstlerische Team von «inscriptum» zum Anlass genommen hat, ein szenisch-musikalisches Programm zu präsentieren, das Robert Schumann durch die Brille der nachfolgenden Generationen einzufangen sucht. Seine ablehnende Haltung gegenüber den revolutionären Bewegungen, seine Unsicherheiten und Schuldkomplexe sowie die Sehnsucht nach einem heilen, poetischen Zeitalter bilden den inhaltlichen Kern der sieben Bilder.

Robert Schumann inspirierte eine grosse Zahl von Komponisten, sich mit seiner Musik zu beschäftigen. So haben sich nach Johannes Brahms und Gustav Mahler in neuerer Zeit u.a. Heinz Holliger, Aribert Reimann und Mauricio Kagel intensiv den Kompositionen gewidmet. Exemplarisch für die zahlreichen Spiegelungen von Robert Schumanns Schaffen in der zeitgenössischen Musik steht Mauricio Kagels «Mitternachtsstück». Der Komponist verwendet Texte aus Robert Schumanns Tage-buch auf eigenwillige Weise. Es bildet sich darin ein spezieller akustischer Raum, der die Welt nicht als Heimat abbildet, sondern Fragen, die das individuelle Erleben betreffen, unaufgelöst und mehrdeutig verklingen lässt.

Neben Mauricio Kagels «Mitternachtsstück» enthält das Programm Werke von Carl Philipp Emanuel Bach, Franz Lehár, Gustav Mahler, Olivier Messiaen, Othmar Schoeck, Viktor Ullmann, Richard Wagner und Kompositionen von Robert Schumann. Die ausgewählten Stücke kreisen allesamt um das Thema von Weltverlust und dem romantischen Gefühl der Heillosigkeit. Stimmungen von Unbehaustheit und Angst finden sich ebenfalls in Schumanns «Geistervariationen», die er in der Nacht vom 17. zum 18. Februar 1854, also kurz vor seinem Suizidversuch und seiner Einweisung in Endenich, komponierte. Die Melodie sei ihm von Geisterstimmen eingegeben worden. Clara Schumann untersagte eine Veröffentlichung, weshalb das vollständige Stück erst 1939 an die Öffentlichkeit gelangte.

In der Aufführung haben die verschiedenen Tasteninstrumente einen grossen Auftritt. Zum einen stellen sie eine Referenz an Robert Schumanns umfangreiches Schaffen für das Klavier dar, zum anderen erinnern sie an das einzige dem Komponisten zur Verfügung stehende Instrument in Endenich. Neben Flügel, Orgel, Harmonium und Klavier kommt auch ein aus dem 19. Jahrhundert stammendes, nicht restauriertes Tafel-klavier zum Einsatz.

Sind in den komponierten Werken Stimmen und instrumentale Begleitung noch kongruent aufeinander bezogen, so brechen immer wieder Momente ein, in denen sich die Stimmen als unverständliches Flüstern, lautes Schreien oder repetitives Psalmodieren verlauten lassen. Analog zu den «Gehörsaffectionen», die Schumann erlitt, überlagern die Stimmen bisweilen die rein instrumental zur Aufführung gebrachten Werke oder werden ihrerseits wieder von der Musik übertönt.

 

Link
www.inscriptum.ch