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Was Tun

Man wird sehen

Heute ist Was tun? u. a. als Titel eines einflussreichen Romans von Nikolaj Tschernyschewskij (Was tun? Der Roman der Wera Pawlowna) sowie der berühmten Schrift Wladimir Iljitsch Lenins bekannt. In diesem Text richtete Lenin eben diese Frage 1902 an die Adresse der Weltrevolution. Heute liefern digitale Plattformen wie Google Antworten in Hülle und Fülle, wenn man die Was-tun-Frage eintippt. Proaktiver geht Bartlebooth in George Perecs Roman aus dem Jahre 1978 vor (Das Leben: Gebrauchsanweisung). Darin gibt sich diese Figur mit einem nach ästhetisch-willkürlichen Prinzipien strukturierten Projekt selber etwas zu tun.

Die Frage nach dem, was man tun solle, wurde immer wieder zum Thema in der Literatur. So erinnert beispielsweise die Führungsmodalität postmoderner Texte an jene eines Wortorakels. Nicht nur das vom Text dargestellte Geschehen selbst, sondern auch der Vermittlungsmodus gleicht einem zu einer Lösung herausfordernden Rätsel. Performance-Partituren, literarische Textcollagen oder sonstige künstlerische Handlungsanweisungen spielen mit den Effekten des Vielsagenden, womit sie Rezipienten in Aktivität versetzen.

Dem literarischen Äusserungsmodus wurden bereits in der Antike seherische oder prophetische Funktionen zugesprochen. So lauschte man an den berühmten Wortorakel-Stätten der antiken Welt den Sprüchen jener, die als prophétes zum Verkünden, Erklären und schriftlichen Aufzeichnen der Äusserungen des Orakels bestimmt waren. Ihre Aufgabe bestand u. a. darin, auf die von den Besuchern gestellte Frage «Was tun?» eine Antwort zu liefern. Diese fiel jedoch oftmals äusserst mehrdeutig aus und entband die Auf-Antwort-Hoffenden nicht vom Zwang zur Selbststeuerung. Das Was-Tun-Projekt widmet sich den Szenarien, die sich mit strategischen Fragen und der Zukunftsbewältigung beschäftigen.