16. September 2019

Was Tun

Man wird sehen

Heute ist Was tun? u. a. als Titel eines einflussreichen Romans von Nikolaj Tschernyschewskij (Was tun? Der Roman der Wera Pawlowna) sowie der berühmten Schrift Wladimir Iljitsch Lenins bekannt. Darin richtete er eben diese Frage 1902 an die Adresse der Weltrevolution. Heute liefern digitale Plattformen wie Google Antworten in Hülle und Fülle, wenn man die Was-tun-Frage eintippt. Ein weitaus anregender Weg wählt Bartlebooth in George Perecs Roman von 1978, Das Leben: Gebrauchsanweisung, als er sich mit einem nach ästhetisch-willkürlichen Prinzipien strukturierten Projekt selber etwas zu tun gibt.

Die Frage nach dem, was man tun solle, wurde immer wieder auch zum Thema in der Literatur. So erinnert beispielsweise die Führungsmodalität postmoderner Texte an jene eines Wortorakels. Nicht nur das vom Text dargestellte Geschehen selbst, sondern auch der Vermittlungsmodus gleicht einem zu einer Lösung herausfordernden Rätsel. Dem literarischen Äusserungsmodus wurden auch bereits in der Antike seherische oder prophetische Funktionen zugesprochen. So wurden an den berühmten Wortorakel-Stätten der antiken Welt den Sprüchen jener gelauscht, die als prophétes zum Verkünden, Erklären und schriftlichen Aufzeichnen der Äusserungen des Orakels bestimmt waren. Ihre Aufgabe bestand u. a. darin, auf die von den Besuchern gestellte Frage «Was tun?» eine Antwort zu liefern. Diese fiel jedoch oftmals äusserst mehrdeutig aus und entband die Auf-Antwort-Hoffenden nicht vom Zwang zur Selbststeuerung. Das Was-Tun-Projekt widmet sich den Szenarien, die sich mit strategischen Fragen und der Zukunftsbewältigung in Kultur und Ökonomie beschäftigen.