15. November 2009, 16:00, Ringkirche Wiesbaden

Winterreise

Liederzyklus von Franz Schubert mit Geschichten von wohnungslosen Menschen

Aufführungen
Ringkirche Wiesbaden, 15. November 2009, 16:00
Ludwigskirche Saarbrücken, 7. Februar 2010, 16:00

Regie & Dramaturgie Serge Honegger
Idee & Text Stefan Weiller
Sprecher Michael von Bennigsen
Sopran Christina Schmid
Bassbariton Dominik Herrmann
Bariton Dirk Schneider
Klavier Gabriel Venzago
Orgel Eva Hodel

Wiesbadener Winterreise – Programmheftbeitrag von Stefan Weiller
Über 180 Jahre ist der Liederzyklus «Winterreise » von Franz Schubert (1797-1828) alt. In 24 Liedern erzählt er von Einsamkeit und Heimatlosigkeit. Wie aktuell die Lieder, die auf der Grundlage von Gedichten von Wilhelm Müller (1794-1827) entstanden, heute noch sind, zeigt die Wiesbadener Winterreise. Der Liederzyklus von Franz Schubert wird hierbei erstmals gemeinsam mit Geschichten, Texten und Erinnerungen von wohnungslosen Menschen aus Wiesbaden aufgeführt. Dabei werden Lieder und Geschichten miteinander in Bezug gesetzt. Einsamkeit und Heimatlosigkeit belasten zahlreiche wohnungslose Menschen in Wiesbaden. Über Monate hinweg wurden einige von ihnen gebeten, ihre Lebensgeschichte zu erzählen. 14 Männer und Frauen im Alter von 19 bis 58 Jahren bekamen in einzelnen Interviews Fragen nach Glück, Heimat, Liebe und Not gestellt. Die Erzählungen wurden mit Einverständnis der Beteiligten von dem Journalisten und Sozialarbeiter Stefan Weiller aufgezeichnet. Herausgekommen sind 24 Textminiaturen, die authentische Einblicke in die Gefühle und Wahrnehmungen wohnungsloser Menschen geben. Bei der Wiesbadener Winterreise ist etwa die Betrachtung eines jungen Mannes zu hören, der sich nicht verlieben will, weil er als Wohnungsloser die Frage «Gehen wir zu Dir?» fürchtet. Erzählt wird auch die Geschichte einer Frau, die ihre Tage im Lesesaal der Landesbibliothek verbringt, weil sie dort zuvorkommend behandelt wird und nicht als Obdachlose stigmatisiert oder erkannt wird. Aber auch Gedanken von Todessehnsucht und Verzweiflung werden nicht tabuisiert. Mit den Texten aus Wiesbaden wird ein neuer, spannender Deutungszugang zur Winterreise ermöglicht. Zwischen den einzelnen Liedern werden die Geschichten von einem Sprecher vorgetragen.